Performing a Bachelorette’s Birth
2007 -
Ein zentrales und immer wiederkehrendes Thema in Judith Fegerls künstlerischer Auseinandersetzung ist der hybride Bereich zwischen technischer Reproduktion natürlicher Phänomene einerseits und individuellen, künstlerischen Prozessen andererseits.
Die Arbeit „Galatean Heritage“ hat ihren Ausgangspunkt in der Gegenüberstellung von mechanischen und biologisch-generativen Vorgängen und reflektiert dadurch die Rolle Judith Fegerls als Frau und Künstlerin. Für Fegerl steht die mythologische Figur Galatea, als zum Leben erweckte Elfenbeinstatue des Bildhauers Pygmalion, exemplarisch für ein bis heute ungebrochenes Bestreben nach dem Erschaffen eines Menschen mittels künstlicher, meist technischer Produktionsmethoden.
GALATEAN HERITAGE übersetzt diese Metamorphose als Rundstrickmaschine, die während der gesamten Ausstellungsdauer von vier Monaten ein langsam aber kontinuierlich wachsendes amorphes Gebilde produziert. Judith Fegerl schafft mit dem Gerät die Voraussetzungen für das Objekt, greift jedoch in den eigentlichen Entstehungsprozess nicht ein. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Konstrukt aus der „Hand“ einer Maschine. Ganz bewusst entkörpert die Künstlerin hier einen Produktionsprozess, der weiblich konnotierte Bereiche mit vorwiegend männlichen Symbolen konfrontiert.
Text: section.a
Die Sehnsucht nach einer Maschine, die selbstständig Neues erschafft und das leblose Objekt, das lebendig wird, schlagen inhaltliche Brücken zur Science-Fiction-Literatur und zu Legenden, die Judith Fegerl immer wieder als Sinnbilder an ihre Werke koppelt. Die männliche Vorstellung von erotisch aufgeladenen Apparaten, welche die natürliche Reproduktion wie auch den Tod ersetzen oder simulieren, gebar zahlreiche Junggesellenmaschinen von Künstlern, Philosophen und Literaten. Judith Fegerls Galatean Heritage kann auch als feministischer Gegenentwurf dazu gelesen werden.
